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Patienteninformationstag in Kalbe (Milde)
Zu einem besonderen Anlass fährt man sicher gern nach Kalbe (Milde) in der Altmark. Erst recht wenn die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft (SAKG) in und mit der dortigen MEDIAN Rehabilitationsklinik einen Patienten-Informationstag veranstaltet. Wie am 20. März 2010. Patienten, Angehörige und Interessierte sorgten dafür, dass es voll wurde im Foyer und im Veranstaltungssaal. Chefärztin Dr. Katharina Molenda war die Freude über den Zuspruch anzumerken. Die offene und herzliche Art, in der sie die Gäste begrüßte, entsprach der gesamten Atmosphäre der Veranstaltung. Man musste kein Chinesisch beherrschen, um Fragen stellen und Antworten verstehen zu können – vor allem kein Fachchinesisch. So wurde der „Patienteninformationstag“ wirklich ein Tag, an dem Patienten wichtige Informationen erhielten. Mitglieder der Selbsthilfeorganisation für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs „ILCO“, der Selbsthilfegruppe „Frauen nach Krebs“ des Johanniter-Krankenhauses Stendal und natürlich der SAKG hatten Broschüren und Flyer ausgelegt und beantworteten Fragen. Gleiches taten Vertreter der Firmen Astra Zeneca, Novartis, Pfizer, Roche und Sanofi Pasteur MSD, deren Unterstützung den Informationstag möglich gemacht hatte. Auch die Deutsche Rentenversicherung Bund hatte bei der Finanzierung geholfen. Dass man komplizierte wissenschaftliche Fakten so erklären kann, dass jeder sie versteht, bewies Privatdozent Dr. Martin Mohren, Chefarzt der Abteilung Hämatologie/Onkologie am Johanniter-Krankenhaus Stendal. Sehr anschaulich berichtete er über neue Entwicklungen in der Chemotherapie. Die anschließende Diskussion ließ den erfreulichen Schluss zu, dass Krebspatienten mündige, aufgeklärte Bürger sind, die durch kritische Fragen sich und anderen zu neuen Erkenntnissen verhelfen können. Als beispielsweise eine Zuhörerin starke Hautreaktionen als Nebenwirkung ihrer Chemotherapie erwähnte, verwies Dr. Mohren auf die Sprechstunde, die die Universitätshautklinik Magdeburg speziell für solche Fälle anbietet.
Medizinisches Wissen muss nicht in der Familie bleiben, sondern gehört in die Öffentlichkeit. Also hielt die Ehefrau des Referenten und Leiterin der Palliativstation des Johanniter-Krankenhauses Stendal, Dr. Ulrike Mohren, ebenfalls einen Vortrag – über Schmerzbehandlung. Je nach Schmerzstärke kommen Tabletten, Pflaster, Spritzen oder Pumpen zum Einsatz. Am meisten beruhigte die Zuhörer das eindeutige „Ja“ der Ärztin auf die Frage, ob jeder Patient das Recht auf Schmerzbekämpfung habe. Schmerz gilt als das Symptom, das bei einer Tumorerkrankung am meisten gefürchtet ist.
Wer anschließend den Vortrag von Ernährungsberaterin Katja Marunde gehört hat, wird Margarinepackungen, auf denen „zum Teil gehärtet“ steht, künftig ins Einkaufsregal zurücklegen. Ungesund. Auch wird er Spinat nicht wieder aufwärmen und seinen Kasslerkonsum einschränken – der schädlichen Nitrite wegen. Heißt das, dass Kurgäste der MEDIAN Klinik nur Schmalkost serviert bekommen? Diese Bedenken verloren sich nach dem schmackhaften Mittagessen. Wer wollte, konnte danach Quadrille tanzen oder „tausend Schritte tun“ – beim „Schnupperkurs Nordic Walking“. Und es wollten viele! Zum Abschluss der Vortragsreihe berichteten Monika Antkowiak von der Magdeburger Krebsliga e. V. und der geschäftsführende Vorstand der SAKG Lothar Braune über die Arbeit ihrer Vereine. Wie wichtig diese ist, zeigt sich für Krebspatienten vor allem nach Abschluss der Behandlung. Wenn sich das „tiefe Loch“ auftut, dann, so Lothar Braune, „treten wir in Aktion“. Und Frau Antkowiak machte deutlich, dass die Fürsorge auch den Angehörigen gelten muss. Niemand kann dem Krebskranken seine schwere Last abnehmen. Aber beim Tragen helfen, damit sie ihm leichter wird – das geht. Und das können wir alle. (bm)
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