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Stoma, Irrigation und Stress
Gut vorbereitet sind mein Mann und ich Mitte Januar 2010 über Bangkok nach Hongkong geflogen. (Seit 1992 habe ich ein Dickdarmstoma und habe viele Jahre jeden zweiten Tag irrigiert. Seit Anfang 2009 irrigiere ich täglich und fühle mich wohler. Den zusätzlichen Zeitaufwand ist es mir wert.)
Vom Aufstehen vergingen vier Stunden Fahrt nach Frankfurt/Main, rund vier Stunden Sicherheitszeit in Frankfurt bis zum Abflug nach Bangkok, Flugzeit zwölf Stunden; eineinhalb Stunden Transitaufenthalt im neuen wunderschönen Flughafen von Bangkok und eineinhalb Stunden Flug bis Hongkong – auch auf dem neuen Flughafen, tolle Atmosphäre, übersichtlich klar strukturiert – eben Hongkong! Nach Abholung vom Flughafen und Ankunft im Hotel waren ca. 30 Stunden vergangen.
Es war inzwischen Mittag des Folgetages und wir waren „breit und geschafft“. Eine Dusche und zwei Stunden „Schnellschlaf“ im Hotel folgten. Dann sind wir nach Stadtplan unserem ersten Ziel entgegenspaziert, der „Symphony of Lights“, abends 20 Uhr. Am Pier von Kowloon (Festlandteil von Hongkong) haben wir uns mit den ersten Gegebenheiten der Stadt vertraut gemacht und hatten einen tollen Blick nach Hongkong Island. Es war einfach traumhaft schön.
Wir erlebten eine Lichter-Show von einer traditionellen chinesischen Dschunke, die uns am Pier von Kowloon abholte. Mit passender klassischer Musik untermalt, erlebten wir eine Show, die es sicher nicht oft auf der Welt gibt.
Noch beeindruckt vom Gesehenen bemerkten wir gar nicht, dass wir nicht in Kowloon abgesetzt wurden. Die Stadt erstrahlte in vollem Lichterglanz. Nichts kam uns bekannt vor. Wir liefen rechts und links an den Anlegestellen entlang und erkannten nichts von unserem Spaziergang bei Tageslicht. Die Hochhäuser – eines schöner als das andere – verrieten uns, dass wir auf der anderen Seite, also der Insel, gelandet waren. Was nun? Zwischen Festland und Island kann man per Bus, U-Bahn, Fähre und Taxi wählen. Taxi fahren kann jeder. Wir wählten die „Star Ferry“ – die Fähre. Ich kann nicht sagen, dass ich besonders nervös war, denn es war ja erst 21 Uhr. Aber mein Stoma machte sich nun bemerkbar. Es „meckerte“ vor sich hin – nach 36 Stunden wohl auch berechtigt. Wir waren gerade im Begriff, uns Tickets für die Fähre zu lösen, hatten aber nur große Scheine beim ersten Geldwechsel erhalten. Die Automaten gaben aber kein Wechselgeld zurück. Meinem Stoma muss das alles zuviel geworden sein. Es meldete sich mit großem „Getöse“ – und keine Toilette in Sichtweite. Bis ich endlich eine kleine Toilette mit Waschbecken im Vorraum gefunden hatte, roch ich und sah aus wie ein Schwein nach einer Suhle im „Schlammbad“. Alles, was zum Säubern brauchbar war (meine Reserven reichten nicht aus), wurde genutzt; mein Mann musste seine Taschen leeren. Zum Schluss hatte ich meine hellen Hosen so gut gesäubert, dass sie nicht mehr stanken. Ohne Slip und mit nasser Hose ging es dann auf die „Star Ferry“.
Ich hatte so viele tolle und weniger tolle Erlebnisse an diesem Tag, das konnte nicht mehr getoppt werden. Im Hotel ging es dann richtig ans Reinigen. Es folgte ein Tiefschlaf bis zum nächsten Morgen. Wie Stress auf das vegetative Nervensystem wirkt, habe ich mal wieder zu spüren bekommen. In einer solchen Situation war ich seit 1992 dreimal; es schreckt mich aber nicht ab, weitere Reisepläne zu schmieden.
Marlit Wölfel Deutsche ILCO Dessau
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