![]() |
Archiv > 2001 / 2002: Pilotprojekt Krebsprophylaxe durch Gesundheitserziehung in den Schulen |
|||||
|
|
Projektvorstellung
Die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft e.V. ist ein noch junger Verein, der erst im Januar 2000 gegründet wurde. Gerade in Sachsen-Anhalt, einem Bundesland mit überdurchschnittlich hoher Mortalitätsrate bei malignen Erkrankungen, gab es bislang keine aktive Landeskrebsgesellschaft. Zur besseren Strukturierung der Aufgabengebiete und Optimierung der Umsetzung wurden drei Arbeitskreise gebildet, Arbeitskreis Qualitätssicherung und Vernetzung der Tumorzentren, Arbeitskreis Selbsthilfe und psychosoziale Beratung, Arbeitskreis Prävention, Früherkennung, Rehabilitation und Umweltmedizin. Im Folgenden werden die wesentlichen Projekte aus den einzelnen Arbeitskreisen vorgestellt. Arbeitskreis Qualitätssicherung und Vernetzung
der Tumorzentren
Das Interesse der Krankenkassen an einer Mitfinanzierung muß sich aus folgenden Sachverhalten ableiten: Klinische Krebsregister als Kernkompetenzen der Tumorzentren sind unverzichtbare Elemente für die Qualitätssicherung bei der Behandlung onkologischer Erkrankungen. Die Qualitätssicherung durchdringt das SGB V nachhaltig und ist mehr denn je originäre Aufgabe der GKV, was auch Erstellung, Pflege und Erhalt qualitätssichernder Dokumentation und deren Finanzierung einschließt. Für die Kostenträger eröffnet sich die Möglichkeit, mit ihren eigenen Datensätzen nach § 301 SGB V mit den KKR einen Abgleich dahingehend durchzuführen, dass nichtmeldende Erbringer onkologischer Behandlungsleistungen identifizierbar werden. Nach einer internen Begutachtung können in bestimmten Fällen Vergütungsabschläge auf qualifizierter objektiver Grundlage erfolgen. A priori lässt sich dadurch ein monetärer Nutzen für die Kostenträger vermuten. Onkologische Behandlungen dürfen unter anderem auch aus Kostengründen in mehreren EU-Staaten (Holland, Frankreich, England) nur in dafür zugelassenen Zentren durchgeführt werden, wobei ein obligatorisches Merkmal eines solchen Zentrums die Existenz einer Qualitätssicherungsdokumentation - ein Klinisches Krebsregister - ist. Die klinischen Krebsregister an den Tumorzentren Dessau, Halle und Magdeburg sind de jure den beiden Universitätskliniken in Magdeburg und in Halle bzw. dem Städtischen Klinikum in Dessau zugeordnet und sind damit integraler Strukturbestandteil zugelassener Leistungserbringer. Modellvorhaben nach SGB V §§ 63 und 64 können zwischen solchen Leistungserbringern und den gesetzlichen Krankenkassen zur Verbesserung der Qualität und der Wirtschaftlichkeit der Versorgung vereinbart werden. Nach Ausarbeitung eines Vertragsentwurfes wurden Verhandlungen mit den Krankenkassen und dem Sozialministerium geführt und die gegenseitige Leistungserbringung sowie Beginn und Dauer des Modellprojektes konkretisiert. Arbeitskreis Prävention, Früherkennung, Rehabilitation und Umweltmedizin Krebsprophylaxe durch Gesundheitserziehung in den Schulen Ziel dieses Projektes ist es, folgende Verhaltensweisen bei Kindern zu entwickeln:
Folgende Methoden kommen zur Anwendung:
Die 1. Zwischenauswertung erfolgt nach einem Jahr und wird Grundlage für das Programm des 2. Jahres. Am Ende der Studie soll eingeschätzt werden, ob dieses Programm für eine Nachnutzungsanwendung geeignet ist. Arbeitskreis Selbsthilfe und psychosoziale Beratung Über die Geschäftsstelle der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft erfolgte Ende 2000/Anfang 2001 mittels Versendung eines Angebotskataloges an Selbsthilfegruppen landesweit eine Bedarfsermittlung für Informationsveranstaltungen, Kurse sowie finanzielle Unterstützung. Die Aufarbeitung der Rückmeldungen führte zur Erstellung eines "Sommerprogrammes" für Selbsthilfegruppen, das bisher mit guter Resonanz durchgeführt wurde. Es konnten effizient Veranstaltungen wohnortnah, zum Teil unter Zusammenschluß mehrerer Selbsthilfegruppen, realisiert werden. Neben diesen aufgezeigten Projekten haben sich regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen etabliert. Zu nennen sind hier insbesondere die Aktivitäten im Rahmen der "Europawoche gegen den Krebs". Neben Fachvorträgen für Ärzte und medizinisches Personal findet jährlich im Oktober in Magdeburg und in Halle ein "Familien-Info-Tag" zu Prophylaxe, Früherkennung, Therapie und Nachsorge von Krebserkrankungen statt. Wir haben hier einen messeähnlichen Veranstaltungsrahmen gewählt, mit Ausstellung von Postern und Infomaterial, Modenschauen, Schaukochen, Informationsständen, Demonstration von Untersuchungsverfahren (z.B. Mammasonographie) sowie Frage-und Diskussionsrunden mit regionalen Spezialisten. Durch diesen Charakter und einen zentral in Stadtmitte liegenden Veranstaltungsort mit entsprechender Vorankündigung konnten wir bisher ein großes Publikum insbesondere auch aus der gesunden Bevölkerung erreichen. Weiterhin sind die regelmäßigen unter einem bestimmten Thema stattfindenden "Onkotage" in der Reha-Klinik Bad Salzelmen zu erwähnen. Hier können sich Interessierte über Entstehung und Therapie von Krebserkrankungen informieren und an physiotherapeutischen Maßnahmen teilnehmen. Mit guter Resonanz führen wir unter Mitarbeit der regionalen Presse und namhafter Mediziner der Region Telefonaktionen zu den vorgegebenen Gesundheitstagen durch.
Leitung: Teilnehmer:
Sponsoren:
1. Problem- und Zielstellung Jährlich erkranken in Deutschland 331.000 Menschen an einem bösartigen Tumor. Die internationale Fachliteratur schätzt ein, daß Krebserkrankungen als Todesursache die HerzKreislauferkrankungen in den nächsten 10 Jahren verdrängen werden. Die zunehmende Krebsinzidenz wird zu einem großen Teil auf den Lebensstil der Menschen zurückgeführt. Tabak-, Alkoholgenuß, falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, intensive UV-Exposition sind nachweislich wesentliche Faktoren, die gemäß den internationalen Wissenschaftsberichten bis zu 30 bis 35 % der Krebsursachen ausmachen (zit. nach Zänker 1999). 1997 veröffentliche World Cancer Research Fund (WCRF) in Zusammenarbeit mit dem American Institute for Cancer Research umfangreiche Daten zur möglichen Prävention von Krebsentstehungen durch Änderung der Ernährungsgewohnheiten. Der WCRF-Report enthält überzeugende Zusammenhänge zwischen Krebsentstehung und Ernährungsfaktoren für Tumoren des Mund- und Rachenraumes, des Nasopharynx, des Larynx, des Ösophagus, der Lunge, des Magens, der Leber, des Kolon und Rektum. Mangelnde körperliche Aktivität kann danach ebenfalls die Entstehung von Kolon- und Mastdarmkarzinomen begünstigen. Die von der Deutschen Krebsgesellschaft unterstützte Kampagne "5 am Tag" Obst und Gemüse soll helfen, die Ernährungsgewohnheiten der Menschen zu ändern. Ob eine umfassende, intensive Gesundheitserziehung zur Änderung von Lebensgewohnheiten beitragen kann, ist glaubhaft, bedarf noch der Beweisführung. Eine solche Gesundheitserziehung verspricht aber nur Erfolg, wenn sie im frühen Kindesalter beginnt. Das vorliegende Pilotprojekt, initiiert durch die Sachsen Anhaltische
Krebsgesellschaft e.V., Arbeitskreis "Prävention, Früherkennung
Rehabilitation und Umwelt", soll die Gesundheitserziehung in den
Schulen unterstützen. In Abhängigkeit von den Ergebnissen dieses
Projektes wird eine Nachanwendung empfohlen. Ziel dieses Projektes ist es, folgende Verhaltensweisen bei Kindern zu entwickeln:
Neben praktischen Übungen wird den Schülern/innen theoretisches Wissen über die Entstehung von Krebserkrankungen, Risikofaktoren und Präventionsmöglichkeiten vermittelt. 2. Methode Probanden:
Durchführung und Zeitplan: Die Mitarbeiter der onkologischen Rehabilitationskliniken von Sachsen-Anhalt, Bad Salzelmen, Bad Suderode, Kalbe/Milde, Bad Schmiedeberg werden im Rahmen von Projekttagen theoretisches Wissen zu den genannten Themen vermitteln. Gleichzeitig werden praktische Übungen, Selbsteinschätzungen der Schüler bezüglich der Lebensweise und Änderungen des Lebensstils durchgeführt. Die Veranstaltungen werden in den genannten Rehabilitationskliniken durchgeführt. In Vorbereitung der Durchführung dieser Studie erfolgt auf einer von den genannten Schulen organisierten Elternversammlung die Vorstellung des Projektes, um die Zusammenarbeit mit den Eltern, Lehrern, Schülern und den Veranstaltern optimal zu gestalten, aber auch um das Einverständnis der Eltern einzuholen, evtl. Gespräche mit krebskranken Patienten und den Schülern durchführen zu können. Dauer des Gesamtprojektes: 2 Jahre, wobei die gleichen Klassen über den genannten Zeitraum betreut werden. Beginn: Herbst 2001. Ende: Herbst 2003 Lebensgewohnheiten werden vor Beginn sowie jeweils alle 12 Monate durch einen Fragebogen anonym erfaßt (Anlage). Die Beurteilung der einzelnen Projekttage durch die Schüler erfolgt durch eine Analogskala. Folgende Methoden kommen zur Anwendung:
Auswertung der Ergebnisse: 3. Finanzielle Aufwendungen:
Beurteilung der einzelnen Projekttage durch die Schüler
|